Juli Zeh – Neujahr (Rezension)

Buchcover Juli Zeh Neujahr
(Copyright: btb Verlag)

Erscheinungsdatum Hardcover: 10.09.2018
(Luchterhand Literaturverlag, 192 Seiten, ISBN 978-3-630-87572-9)

Erscheinungsdatum Taschenbuch: 11.10.2021
(btb Verlag, 192 Seiten, 3442718961, ISBN 978-3-442-77054-0)

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Inhalt

Henning, Vater von zwei Kindern, ist mit seiner Familie über Weihnachten und Silvester im Urlaub auf Lanzarote. Am Neujahrsmorgen macht er sich allein auf den Weg, um mit dem Fahrrad einen hohen Berg bis zu dem Dorf Femés zu erklimmen. Dabei denkt er über sein Leben nach: Er liebt seine Frau Teresa und seine beiden Kinder, fühlt sich in der Rolle als Familienvater aber oft unwohl und überfordert. Seit der Geburt des zweiten Kindes suchen ihn Panikattacken heim. Und schließlich trifft er auf seiner Radtour auch noch ganz unerwartet auf Dämonen aus seiner Vergangenheit: Er war als Kind schon einmal in Femés und hat dort etwas Schreckliches erlebt – ist das vielleicht sogar eine Erklärung für seinen jetzigen Zustand?

Meine Meinung

Was liegt näher, als ein Buch, das „Neujahr“ heißt, zum Jahresbeginn zu lesen – das hatte ich mir also für Neujahr 2023 fest vorgenommen, und weil es so kurz ist, habe ich es tatsächlich auch an diesem einen Tag geschafft. 😉

Aber die Kürze war nicht der einzige Grund dafür, dass ich das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen habe: Tatsächlich fand ich die Geschichte auch einfach sehr spannend und wollte unbedingt wissen, welche dunklen Ereignisse aus der Vergangenheit Henning umtreiben und ihn bis in die Gegenwart verfolgen.

Die Auflösung dafür war ebenso schockierend wie schlüssig. Ja, was Henning und seiner jüngeren Schwester als Kinder widerfahren ist, könnte wirklich so passiert sein, und es ist nachvollziehbar, dass sich die Nachwirkungen insbesondere nach der Geburt des zweiten Kindes, einer Tochter, Bahn brachen – auch wenn Henning die Geschehnisse lange Zeit komplett aus seinem Bewusstsein verdrängt hatte.

Dass das Wiederaufbrechen des Traumas ausgerechnet an Neujahr stattfindet, hat sicher seine Bewandtnis – die Chance auf einen Neuanfang für Henning, ein frisches und noch unbeschriebenes Jahr, in dem er seine inneren Dämonen hoffentlich endlich hinter sich lassen kann.

Am Ende hätte ich mir vielleicht noch mehr Auseinandersetzung mit dem Vergangenen aus Hennings heutiger Sicht sowie dem künftigen Umgang mit seiner Familie gewünscht, der – hoffentlich – daraus resultieren wird, dass er sich endlich dem stellen kann, was ihn unterbewusst schon so lange verfolgt und quält. Hier war mir das Buch dann vielleicht doch ein wenig zu kurz: Ich hatte eher das Gefühl, eine Novelle zu lesen als einen „richtigen“ Roman. Mitten in die Handlung hineingeworfen, am Ende ebenso abrupt wieder heraus – das war mein Eindruck.

Einmal mehr mochte ich aber auch hier Juli Zehs klaren Schreibstil sowie die gut konstruierte Geschichte, die mir einen spannenden ersten Lesetag im Jahr 2023 beschert hat.

Thalia
(*)

Fazit

Ich hatte bisher nur „Unter Leuten“, „Über Menschen“ und „Corpus delicti“ von Juli Zeh gelesen, die mir zum Teil ein wenig zu episch ausgestaltet waren – hierzu bot „Neujahr“ als (Fast-)One-man-Show einen erfrischenden Kontrast. Das Ende war mir etwas zu simpel gehalten, aber alles in allem war das ein sehr gelungenes Leseerlebnis und ich empfehle das Buch gerne weiter – nicht nur zu Neujahr. 😉

Bewertung

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