Christine Westermann – Die Familien der anderen: Mein Leben in Büchern (Rezension)

Buchcover Christine Westermann Die Familien der anderen
(Copyright: Kiepenheuer & Witsch)

Erscheinungsdatum: 03.11.2022
(Kiepenheuer&Witsch, 224 Seiten, ISBN 3462003011)

Erhältlich bei:

Inhalt

Christine Westermann, ihres Zeichens Journalistin und selbst Autorin, gibt gerne Buchtipps. Unter anderem regelmäßig im WDR, vor einigen Jahren auch als Mitglied des „Literarischen Quartetts“ im ZDF. In diesem Buch schildert sie, wie sie zum Lesen gekommen ist, mit welchen Büchern sie aufgewachsen ist und welche Bücher im Laufe ihres Lebens wichtig für sie geworden sind. Viele kleine Anekdoten wechseln sich mit passenden Buchempfehlungen zu den jeweiligen Situationen ab, und wir lernen auch ein bisschen von der privaten Christine Westermann abseits des Fernsehgesichts kennen.

Meine Meinung

Ich kannte Christine Westermann aus der WDR-Sendung „Zimmer frei“, die sie bis 2016 zusammen mit Götz Alsmann moderiert hat. Darin fand ich sie immer sympathisch, und von Zeit zu Zeit habe ich auch ihre Buchtipps im Radio gehört. Eine Autobiographie mit Bezug auf Bücher und das Lesen fand ich schon mal per se spannend – und ich bin nicht enttäuscht worden.

Geschickt verknüpft Christine Westermann Episoden aus ihrem eigenen Leben mit Büchern, die zu der jeweiligen Zeit in ihrem Leben relevant waren oder sie beim späteren Lesen an eigene Erlebnisse erinnerten. Den Rahmen des Buches bildet die Lektüre des „Zauberbergs“ von Thomas Mann, der Christine Westermann zwar seit früher Kindheit im mütterlichen Bücherregal präsent war, an den sie sich aber erst im zarten Alter von 73 Jahren heranwagte. „Müssen“ wir Klassiker lesen, und noch viel wichtiger – „müssen“ sie uns gefallen, sind wir sonst nicht reflektiert oder intellektuell genug? Auch solche Fragen nähert sich die Autorin auf eine amüsante Weise, die mir gut gefallen hat.

Letztlich wird in diesem Buch deutlich, dass Christine Westermann sich trotz ihres „Expertinnenstatus“ in der Öffentlichkeit keineswegs selbst als Literaturkoryphäe versteht, deren Urteil blind vertraut werden sollte, sondern in erster Linie als neugierige Leserin, die die Bücher, die sie mochte, gern anderen Leser*innen näherbringt. Warum sie Bücher, die ihr nicht gefallen haben, grundsätzlich nicht öffentlich verreißt, schildert sie ebenfalls sehr nachvollziehbar. Ich konnte mich in vielen Punkten mit ihrer Herangehensweise an Literatur identifizieren.

Besonders interessant fand ich ein Kapitel ganz am Schluss, in der Christine Westermann ihre Arbeit als Mitglied der Jury für den Deutschen Buchpreis schildert. Hier wird einmal mehr deutlich, dass die Autorin dem Literaturbetrieb auch nach den vielen Jahren, die sie ihm doch schon selbst angehört, immer noch staunend und auch ein bisschen ehrfürchtig gegenübersteht. Trotzdem kommt auch der Humor nie zu kurz, den sie ihren verschiedenen Tätigkeiten entgegenbringt.

In einer buchigen Autobiographie dürfen natürlich auch konkrete Buchtipps nicht zu kurz kommen. Dass es insgesamt ganze 47 (!) waren, die am Ende noch mal in einer Liste zusammengefasst sind, ist mir beim Lesen gar nicht bewusst geworden, so kurzweilig sind sie für meine Begriffe eingestreut worden. Ein paar wenige Bücher kannte ich schon (z. B. „Der Papierpalast“), auf ein paar andere bin ich nun auch neugierig geworden – ein Minimalziel dürfte die Autorin damit zumindest bei mir erreicht haben. 😉

Thalia
(*)

Fazit

Christine Westermann ist mir durch die Lektüre dieses Buchs noch sympathischer geworden, als sie es vorher bereits war. „Die Familien der anderen“ sind es, die sie nach eigener Aussage in Büchern besonders interessieren. In diesem Buch habe auch ich ein Stück weit „die Familie einer anderen“ kennengelernt, eben die von Christine Westermann, und konnte in ihre Leidenschaft für das Lesen eintauchen. Ein schöner und kurzweiliger Einblick in den Literaturbetrieb sowie das Leben der Autorin.

Bewertung

(Danke an Kiepenheuer&Witsch und Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Keine weitere Vergütung erhalten.)

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